Handbuch H5P

Nele Hirsch

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Dieses E-Book steht unter der Creative-Commons-Lizenz CC-BY-SA 4.0 (Teilen - Bearbeiten - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen) - https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de

Willkommen im Handbuch H5P!

Mithilfe dieses Handbuch lernst Du, was H5P ist und wie Du es im Interesse einer guten Bildung für alle nutzen kannst. Vorab sei schon so viel verraten: Es handelt sich bei H5P um eine wahrhaft zauberhafte Bildungstechnik, mit der sich spielend leicht und kostenfrei Umfragen, interaktive Lernvideos, Spiele, Tests und vieles mehr erstellen, verbreiten und anpassen lassen.

Ich bedanke mich bei allen, die mit dazu beitragen, dass es H5P gibt und dass es kontinuierlich immer besser wird. Dir wünsche ich eine anregende Lektüre und gutes Gelingen beim Lehren und Lernen.

Gräfenhainichen, Februar 2017
Nele Hirsch

PS. Passend zum Handbuch gibt es im eBildungslabor einen offenen Selbstlernkurs zu H5P. Hier findest Du zahlreiche praktische Beispiele, kannst die Technik direkt ausprobieren und Dich mit anderen darüber austauschen.

Über mich

Ich bin Bildungswissenschaftlerin mit dem Schwerpunkt des digital-unterstützten Lehren und Lernens. Im eBildungslabor biete ich Schulungen, Beratung und Umsetzung von eLearning Projekten an und forsche zu den Voraussetzungen und Potentialen einer offenen Bildungspraxis.

1. Was ist H5P und warum sollte ich es nutzen?

H5P ist der Name für einen technischen Rahmen, mit dessen Hilfe interaktive Inhalte erstellt, geteilt und weiter bearbeitet werden können. Unter interaktiven Inhalten versteht man alle Inhalte, mit denen Nutzende auf ihrem Computer, ihrem Tablet oder ihrem Smartphone direkt interagieren können. Beispiele sind ein Memory-Spiel, bei dem die jeweils passenden Kärtchen durch virtuelles Aufdecken gefunden werden müssen. Weitere Beispiele sind ein Multiple Choice Test, Lückentexte zum Ausfüllen oder Drag and Drop Angebote mit Bild oder Text. Besonders beliebt ist bei H5P die Möglichkeit, Videos mit Interaktionen zu erstellen. In diesem Fall stoppt das Video beim Ansehen an einer bestimmten Stelle. Nach dem Einblenden und Beantworten einer Frage läuft es dann weiter … H5P hat für das Lehren und Lernen also ein großes Potential.

Vielleicht denkst Du jetzt: „Klingt gut, aber das ist doch bestimmt teuer und kompliziert!“ In diesem Fall kann ich Dich beruhigen: H5P steht allen gebührenfrei zur Verfügung - und schwierig ist die Nutzung auch nicht. Viemehr macht H5P die Erstellung interaktiver Inhalte so simpel wie bloggen.

Wie das möglich ist, ist schnell erklärt:

Gebührenfrei nutzbar ist H5P, weil es sich dabei um eine Open Source Software handelt. Der Anstoß zur Entwicklung von H5P entstand durch eine öffentliche Finanzierung in Norwegen. Hier wurde nach einer technischen Lösung gesucht, um die gewünschten freien Bildungsmaterialien der NDLA (Norwegian Digital Learning Arena) – einer virtuellen Bildungs-Website für den Oberschulbereich – besser gestalten und verbreiten zu können. Inzwischen wird H5P – wie andere Open Source Software – von privater und öffentlicher Hand getragen und finanziert. Als Firma steht vor allem die norwegische Agentur Joubel hinter H5P. Kontinuierlich wächst auch die - oft ehrenamtlich arbeitende - H5P-Entwickler-Community. Im Januar 2017 feierte H5P seinen 4. Geburtstag.

Simpel in der Nutzung ist H5P, weil bei der Entwicklung ganz gezielt nach einer technischen Lösung für Lehrende und Lernende gesucht wurde. Bedingung war somit, dass keine aufwändigen technischen Weiterbildungen erforderlich sind. Vielmehr sollte die Inhalts-Erstellung ohne weitere Vorausetzungen in den Händen derer liegen, die tagtäglich Bildungsangebote gestalten. Um das zu erreichen, wurde eine intuitiv bedienbare Eingabemaske entwickelt.

Um mit H5P Inhalte zu erstellen, gibt es zwei Möglichkeiten: Die erste ist die Registrierung auf der H5P Website. Die zweite Möglichkeit ist der Download und die Installation des H5P Plugins auf Deiner eigenen Website. Aktuell gibt es Plugins für Drupal, Wordpress und Moodle. Wie die Inhalts-Erstellung genau funktioniert, wirst Du im nächsten Kapitel lernen.

Mit der gebührenfreien Nutzung und der einfachen Bedienbarkeit ist das Potential von H5P aber noch nicht erschöpft. Hinzu kommt, dass H5P Inhalte beliebig verbreitet, geteilt und weiter bearbeitet werden können.

H5P hat für die Bildung vor diesem Hintergrund ein großes Potential.

  1. Die erstellten Bildungsinhalte stehen potentiell offen zur Verfügung. Das bedeutet: Mehr Bildung für alle!
  2. Einfach, flexibel und gebührenfrei nutzbare Technik bedeutet, dass der didaktischen Konzeption und der professionellen Lehre ein höherer Stellenwert eingeräumt werden kann. Für gute Bildung ist das zentral – auch wenn es leider leicht vergessen wird, wenn Technik so kompliziert ist, dass damit alle Ressourcen aufgefressen werden.
  3. Durch die Anpassbarkeit von H5P-Inhalten sind spezifische und individualisierte Bildungsangebote einfach möglich.

Wie Du mit H5P Inhalte erstellen und wie Du gute Bildung gestalten kannst sowie was Du dabei rechtlich beachten musst, erfährst Du in den folgenden Kapiteln. Zum Abschluss im letzten Kapitel möchte ich Dich dann noch einladen, Dich aktiv in die H5P Community einzubringen, damit wir dieses Projekt gemeinsam noch besser machen.


Zusammenfassung

H5P ist eine technische Lösung für interaktive Website-Inhalte. Es handelt sich um eine Open Source Software, deren Nutzung für alle gebührenfrei ist. H5P kann entweder direkt auf der H5P Website oder als Plugin auf der eigenen Website genutzt werden. Aktuell stehen Plugins für Moodle, Wordpress und Drupal zur Verfügung. Die Haupt-Entwicklung von H5P erfolgte im Rahmen einer öffentlichen Initiative in Norwegen für freie Bildungsmaterialien. H5P Inhalte kann jeder erstellen und weiter bearbeiten – ohne spezielle technische Kenntnisse.

2. Wie erstelle ich Inhalte mit H5P?

In diesem Kapitel erfährst Du, wie Du konkret vorgehen musst, wenn Du mithilfe von H5P interaktive Website-Inhalte erstellen möchtest. Dazu erläutere ich Dir zunächst die nötigen Voraussetzungen, beschreibe Dir dann die Eingabemaske in ihrer grundsätzlichen Form und stelle Dir anschließend einige der verfügbaren Inhaltstypen genauer vor.

2.1 Voraussetzungen: Registrierung oder Installation

Bereits im ersten Kapitel haben wir gelernt, dass sich H5P-Inhalte entweder direkt auf der H5P Website oder nach Installation des Plugins auf der eigenen Seite erstellen lassen. Um mit der Inhalts-Erstellung zu beginnen, führe bitte einen der folgenden drei Schritte durch:

  1. Lege Dir einen Account auf h5p.org an.
  2. Lege Dir einen Account im H5P--Selbstlernkurs  im eBildungslabor an, wo das H5P Plugin bereits installiert ist.
  3. Installiere das H5P Plugin und die dazugehörigen Bibliotheken innerhalb Deiner Wordpress-, Drupal oder Moodle Webseite. Sofern Du bei diesem Weg Unterstützung benötigst, helfe ich Dir im eBildungslabor gerne weiter.

Hinweis:

Mit der Registrierung auf H5P.org kannst nur neue Inhalte erstellen, aber nicht bestehende Inhalte hochladen und weiterbearbeiten. Im folgenden stelle ich Dir deshalb die (in diesem Sinne vollständigere) Eingabemaske aus dem eBildungslabor vor. Im Falle einer eigenen Installation (Weg 3) sind die Funktionen der Eingabemaske bei Dir identisch.

2.2 Eingabemaske: intuitive Bedienung

Nachdem Du Dich entweder auf einer der beiden Seiten registriert hast oder H5P auf Deiner Website installiert ist, hast Du Zugriff zur H5P-Eingabemaske. Sie ist bezeichnet als ‚Neuen H5P-Inhalt erstellen`, ‚Neuen interaktiven Inhalt erstellen‘ oder ‚Create Interactive Content‘.

So sieht die Eingabemaske grundsätzlich aus:

Screenshot 1: H5P-Eingabemaske im eBildungslabor

Screenshot 1: H5P-Eingabemaske im eBildungslabor

Zwei Elemente sind hier besonders wichtig:

  1. Die Unterscheidung zwischen Upload oder Create.
  2. Die Auswahl eines Content Types (Inhaltstyp).

Du entscheidest Dich für Upload, wenn Du bereits einen erstellten H5P-Inhalt hast, den Du hochladen und weiter bearbeiten möchtest. Ansonsten – wie wahrscheinlich jetzt, da Du ja erst ganz neu mit H5P beginnst - belässt Du die voreingestellte Einstellung auf ‚Create‘

Unter dem Feld ‚Content Type‘ findest Du eine Liste verfügbarer H5P-Inhaltstypen. Mit Inhaltstyp wird der Typ des gewünschten Bildungsmaterials bezeichnet, also z.B. ein Multiple Choice Test oder, ein interaktives Video oder ein Memory-Spiel.

Sobald du einen Inhaltstyp auswählst, bekommst Du die dafür spezifisch benötigten Felder angezeigt. Für unsere Beispiele bedeutet das: Bei einem Multiple Choice Test erhältst du ein Feld für die Frage sowie Felder für mögliche Auswahlvarianten, bei einem interaktiven Video ist der Upload eines Videos oder die Verlinkung zu Youtube erforderlich und bei einem Memory-Spiel kannst Du Bilderpaare hochladen.

Bitte beachte: Ein nachträgliches Ändern des Inhaltstyps führt zum Verlust der bereits eingegeben Daten. In diesem Fall musst Du also neu mit der Inhalts-Eingabe beginnen.

Bevor Du Deinen erstellten Inhalt abspeicherst, kannst Du noch spezifische H5P-Optionen zum Download, Einbetten und zu Copyright-Einstellungen auswählen:

Screenshot 2: H5P-Eingabemaske im eBildungslabor

Screenshot 2: H5P-Eingabemaske im eBildungslabor

Ich empfehle Dir, es hier bei den jeweiligen Voreinstellungen zu belassen, da Dein erstellter Inhalt dann bestmöglich von anderen genutzt, geteilt undweiter bearbeitet werden kann.

  • Der Download-Button ist zum Weiterbearbeiten von H5P-Inhalte gedacht. Über den Button können diese im Format .h5p heruntergeladen, neu hochgeladen und je nach eigenem Bedarf angepasst, ergänzt und verändert werden.
  • Der Embed Button ist zum einfachen Verbreiten und Teilen von Inhalten gedacht. Er funktioniert ähnlich wie z.B. das Einbetten eines Youtube-Clips. Man kopiert sich den Code und platziert ihn an der Stelle, an der später der H5P Inhalt gezeigt werden soll. Diese Einbettung funktioniert unabhängig von der verwendeten Software – also praktisch überall.

In den folgenden Kapitel zu guter Bildung mit H5P und zum rechtlichen Hintergrund wirst Du mehr über die Möglichkeiten und Voraussetzungen des Teilens und Anpassen erfahren.

2.3 Inhaltstypen im Überblick

Die Liste der bei H5P verfügbaren Inhaltstypen ist nicht abschließend, sondern es kommen beständig neue Möglichkeiten hinzu. Im folgenden stelle ich Dir einzelne der aktuell verfügbaren Inhaltstypen vor, damit Du einen Eindruck davon bekommst, wie vielfältig das H5P Angebot schon jetzt ist und wie es sich nutzen lässt.

  • 'Fill in the Blanks' lässt Dich einen klassischen Lückentext gestalten. Voran gestellt werden kann ein Bild oder ein Video, z.B. um das Thema des Lückentextes zu erklären. Im Anschluss daran wird für die Nutzenden eine Aufgabenbeschreibung eingegeben sowie der Lückentext selbst. Die Lücken werden mit einem Sternchen versehen, zwischen die das jeweils gesuchte Wort geschrieben wird.
  • 'Question Set' lässt Dich ein umfassenderes Quiz/ einen Test mit unterschiedlichen Fragetypen erstellen. Dazu gehört der oben beschriebene Lückentext, ebenso Drag and Drop mit Text oder Bild, Multiple Choice Fragen, Wörter markieren oder Richtig/ Falsch Fragen. Die Fragetypen werden jeweils ausgewählt, die entsprechenden Inhalte eingetragen und anschließend die Eigenschaften des Quiz definiert.
  • 'Summary' kann zum Einstieg in ein Thema eingesetzt werden, bei dem durch eigenes Erkunden und Ausprobieren gelernt wird, als auch zur Wissensüberprüfung zum Abschluss. Der Inhaltstyp stellt die Nutzenden vor die Herausforderung, sich zu einem bestimmten Thema selbst eine Zusammenfassung zu erstellen. Dazu werden jeweils mehrere Aussagen-Sets bereitgestellt, von denen immer nur eine Aussage aus jedem Set richtig ist. Nachdem die richtige Auswahl getroffen wurde, wird das nächste Aussagen-Set eingeblendet. Alle richtig gewählten Aussagen bleiben eingeblendet, so dass am Ende ein Text mit allen richtigen Aussagen entsteht.
  • 'Documentation Tool' ist einer meiner Lieblings-Inhaltstypen. Es handelt sich dabei um ein frei gestaltbares mehrstufiges Formular, in das Nutzer ihre Informationen eingeben – und sich dann am Ende eine Zusammenstellung herunter laden können. Im eBildungslabor habe ich damit beispielsweise ein Planungstool für digital-unterstützte Bildungsangebote entwickelt, in der nacheinander wichtige Analyse-Fragen beantwortet werden müssen.
  • 'Image Hotspots' lässt Dich ein Bild hochladen und darauf verschiedene Punkte zum Anklicken festlegen. Nutzbar z.B. als Einstieg in ein Thema mit Fragen als Hotspots und damit als erster Überblick, aber auch um z.B. verschiedene Bestandteile eines Körpers darzustellen. Besonders hilfreich ist Image Hotspots, da nicht nur Text, sondern auch Audio- und Video-Elemente hinter den Hotspots versteckt werden können.
  • 'Interactive Video' ist sicherlich einer der beliebtesten Inhaltstypen von H5P. Du hast hier in einem ersten Schritt entweder die Möglichkeit ein Video hochzuladen oder ein Youtube-Video zu verlinken. Im zweiten Schritt können dann Interaktionen an bestimmten Stellen des Videos festgelegt werden. Beispielsweise kann eine Frage eingeblendet werden oder auch ein Link mit weiteren Informationen.
  • 'Memory Game' ist ist die Verfügbarmachung des klassischen Spiels für den virtuellen Raum. Natürlich musst du Dich hier nicht darauf beschränken, gleiche Bilderpaare aufdecken zu lassen. Ebenso ist es möglich, z.B. Sehenswürdigkeiten mit den Orten zusammenzuführen, Gegensatz-Paare, Vokabeln oder alles, was Dir sonst noch einfällt.
  • 'Timeline' lässt Dich einen interaktiven Zeitrahl gestalten: in einem selbst gewählten Zeitraum können Ereignisse mit Text, Bild und/ oder Video hinterlegt werden. Nutzbar ist das natürlich insbesondere im Bereich Geschichte, aber kann auch für andere Bereiche interessant sein, etwa um das Bildungsangebot der eigenen Organisation im laufenden Jahres einmal in anderer Form zu präsentieren.
  • 'Twitter User Feed' lässt sich die Tweets eines bestimmten Nutzers anzeigen. Schön ist das beispielsweise in Online-Kursen, wenn jeder Mitlernende seinen Account auf diese Weise direkt im Kursraum sichtbar macht.
  • 'Dialogcards / Flashcards' machen Karteikarten virtuell: Frage- und Antwort können vorne und hinten eingetragen werden – natürlich auch mit Bildern versehen – und die Nutzer können die Karten dann virtuell beantworten und umdrehen.
  • 'Column' lässt Dich mehrere interaktive Inhalte aneinanderfügen und z.B. durch Bilder, Text oder Trennlinien übersichtlich gestalten. Auf diese Weise lassen sich auch komplexere Inhalte darstellen.

Am einfachsten kannst Du diese und alle weiteren Inhaltstypen erkunden, indem Du sie einfach einmal austestet. Denn jedes Feld ist erklärt und beschrieben, so dass man praktisch gar nichts falsch machen kann. Manches Mal hilft ein wenig Ausprobieren, z.B. bei der Frage welche Bildgröße man verwendet, wielange man ein interaktives Video stoppen lässt oder wie viele Hotspots sich am besten auf ein Bild unterbringen lassen ... Best Practice hierzu wird auch im eBildungslabor-Selbstlernkurs vermittelt und zum Teil bietet H5P spezifische Tutorials an.

Sicher kann man bei H5P zudem immer sein, dass man so gut wie alles individuell gestalten kann. Das gilt nicht nur für die Einstellung der eigentlichen Inhalte, sondern auch bei den Interaktionen: Welcher Text soll z.B. als Rückmeldung angezeigt werden? Sollen Lernende mehrere Versuche haben? Gibt es nach jeder Frage oder erst am Ende ein Feedback? Alle diese und viele weitere Elemente lassen sich spezifisch eintragen.



Zusammenfassung

H5P-Inhalte erstellt man über eine intuitiv bedienbare Eingabemaske - entweder direkt auf der H5P Website oder auf einer Drupal, Moodle oder Wordpresse Seite, auf der H5P installiert ist. Innerhalb der Eingabemaske lässt sich auswählen, ob man Inhalt neu erstellen oder bestehenden Inhalt hochladen und weiter bearbeiten möchte. Beim Erstellen von neuem Inhalt kann anschließend der gewünschte Inhaltstyp ausgewählt werden. Die jeweils benötigten Felder sind genau erklärt. Zusätzlich lassen sich auch die interaktiven Funktionen spezifisch anpassen. Wenn der erstellte H5P Inhalt anschließend geteilt und weiter bearbeitet werden soll, wählt man zum Abschluss die Option aus, dass ein Download- und ein Embed-Button angezeigt werden soll.

3. Wie gestalte ich mit H5P gute Bildung?

H5P ist in erster Linie eine technische Hilfe bei der Erstellung von digitalen Bildungsmaterialien. Durch die Bereitstellung einfach bedienbarer interaktiver Elemente, kann das Projekt mit dazu beitragen, dass Bildungsangebote spannend, vielfältig und motivierend sind. Ob das aber im Einzelfall tatsächlich gelingt, hängt nicht primär von der verwendeten Technik ab, sondern vor allem von der professionellen Gestaltung.

In diesem Kapitel möchte ich Dir drei Anregungen geben, wie Du mithilfe von H5P gute Bildung erreichen kannst.

3.1 Erst analysieren – dann umsetzen!

Gute Bildungsmaterialien allein führen noch nicht zu guter Bildung. Es wäre deshalb falsch, von H5P eine fertige Anleitung zur Gestaltung meines Bildungsangebots zu erwarten. Damit ein Bildungsangebot erfolgreich ist, braucht es insbesondere auch eine gute didaktische Gestaltung. Diese setzt zu Beginn eine Analyse voraus. Zu dieser Analyse gehört vor allem die Frage nach dem Bildungsbedarf, der mit dem geplanten Angebot erfüllt werden soll sowie die Frage nach der Zielgruppe. Weitere Aspekte sind - gerade bei komplexeren Vorhaben - zeitliche und finanzielle Rahmenbedingungen sowie Nachhaltigkeit im Sinne einer möglichen Verknüpfung/ Kopplung an andere Bildungsangebote.

Wenn auf diese Analyse verzichtet wird, dann sind Schwierigkeiten und Probleme vorprogrammiert: die Zielgruppe kann mit dem Angebot nichts anfangen, die gewünschten Kompetenzen werden nicht vermittelt oder der Zeitplan gerät völlig aus den Fugen …

Natürlich ist es ein Unterschied, ob ich einfach nur einen Abschlusstest für meine aktuelle Unterrichtseinheit in der Schule gestalten möchte oder ob ich einen umfangreichen Online-Kurs über mehrere Wochen plane. Vor allem für den letzteren Fall habe ich im eBildungslabor die wesentlichen Fragen für eine dann empfehlenswerte umfassende Analyse zusammengefasst und stelle sie dir auch hier zur Verfügung.

Hilfestellung aus dem eBildungslabor: 4-Felder Analyse für gutes E-Learning

Hilfestellung aus dem eBildungslabor: 4-Felder Analyse für gutes E-Learning

3.2 Lernende stärken!

Der wichtigste Orientierungspunkt bei der Konzeption sollte immer sein, dass Lernende eine aktive Rolle im Lernprozess haben. Nur dann werden sie in ihren eigenen Lernvorhaben unterstützt und erfolgreiche Lernprozesse sind möglich. Die verfügbaren Möglichkeiten von H5P können das in vielerlei Hinsicht unterstützen. Einige Beispiele möchte ich im folgenden skizzieren.

Gute Erfahrungen habe ich erstens im Rahmen von rein virtuellen Selbstlernangeboten gemacht, wenn Lernende hier zum Abschluss einer Lerneinheit auf eine ganz einfache Art und Weise selbst überprüfen können, ob sie die Inhalte grundsätzlich verstanden haben. Um das zu realisieren, stellt H5P eine große Bandbreite an Tools – insbesondere das ‚Question Set‘ mit mehren Fragetypen zur Gestaltung eines Quiz – zur Verfügung. Auch mit den unterschiedlichen Karten-Inhaltstypen kann Selbstlernen unterstützt werden – etwa mit den Dialogcards oder den Flashcards, mithilfe derer Karteikarten-Lernen durch H5P digitalisiert werden kann.

Eine weitere Einsatzmöglichkeit ergibt sich im Bereich des Blended Learning durch Nutzung der so genannten ‚Flipped Classroom‘ Methode: Anstatt den Lernenden während der Zeit des Präsenzunterrichts neuen Stoff zu erläutern, erarbeiten sich Lernende diesen durch vorbereitende Materialien selbst. Mit H5P können hierzu beispielsweise interaktive Präsentationen erstellt werden, mithilfe derer Lernende genau die Inhalte abrufen und durcharbeiten können, die ihnen bislang noch unbekannt sind. Einfach gestaltbar ist so etwas mit H5P auch als ‚Image Hotspot‘: hier können mehrere Fragen als Hotspots auf einem Bild platziert werden. Lernende können gezielt nach den Antworten suchen, die sie noch nicht kennen und bekommen sie dann als Bild, Video oder Text präsentiert.

Als letztes Beispiel, um Lernende mithilfe von H5P in ihrem Lernprozess zu stärken, möchte ich noch die Option des ‚Lernen durch Lehren‘ hinweisen. Dahinter steht die Idee, dass dadurch gelernt wird, dass Lernende anderen den zu lernenden Stoff vermitteln. Sie übernehmen auf diese Weise nicht nur Verantwortung für den eigenen Lernprozess, sondern auch für den Lernprozess anderer. Für diese Variante kommen grundsätzlich alle H5P-Inhhaltstypen infrage: Im Geschichtsunterricht könnten Lernende einen interaktiven Zeitstrahl erstellen, der die wichtigsten Geschehnisse der französischen Revolution zusammenfasst. In Geographie wird eine interaktive Weltkarte erstellt, auf der bestimmte Eintragungen von den Lernenden selbst vorgenommen werden, so dass Mitlernende daran später ihr Wissen testen können. Und in der Weiterbildung könnten Statements von Rückkehrenden aus einem Freiwilligen-Auslandseinsatz als Video zusammengeschnitten und mit Anmerkungen versehen werden, so dass dieses zukünftigen Freiwilligen zur Vorbereitung dienen kann.

Solch ein produktives Lernen mit digitalen Lernmaterialien als Ergebnis ist auch vor dem Hintergrund des Erwerbs von Medienkompetez entscheidend. Denn ein umfassendes Verständnis von Medienkompetenz erfordert es, dass Lernende digitale Medien nicht nur nutzen und kritisch reflektieren, sondern vor allem auch selbst aktiv gestalten können.

3.3 Teilen statt verstecken!

Hinter dem Slogan 'Teilen statt verstecken' steht die Idee einer offenen Nutzung und Bereitstellung von Inhalten. Diese Idee ist für viele erst einmal ungewohnt. Der normale Weg ist: Ich kaufe mir das Buch, das ich lesen möchte, ich melde mich auf einer Video-Plattform an, um einen Film sehen zu können und ich darf Radio-Beiträge nicht einfach aufzeichnen und weiter verbreiten, sondern nur zur jeweiligen Sendezeit anhören ...

Im Bildungsbereich beginnt sich die Wahrnehmung und die Praxis seit einigen Jahren aber zu ändern. Dahinter steht die einfache Überlegung, dass es doch viel sinnvoller wäre, wenn einmal erstellte Materialien von vielen verwendet und wo nötig angepasst werden könnten, anstatt sie nur einmalig zum Einsatz zu bringen.

Auf dieser Überlegung beruhen OER. Die Abkürzung steht für Open Educational Resources. Im Deutschen wird der Begriff meist mit freien Bildungsmaterialien übersetzt. Es handelt sich dabei um Materialien, die zu Bildungszwecken offen genutzt werden können. Hierbei bedeutet Offenheit nicht nur ein offener Zugang, sondern ebenso die Möglichkeit zu Weiterbearbeitungen, Zusammenstellungen mit anderen Materialien, Anpassungen und eigenen Veröffentlichungen.

Durch diese umfassende Form von Offenheit verfügen OER über ein großes Potential. Denn auf diese Weise können Bildungsmaterialien individualisiert werden, sie können auf aktuelle Ereignisse eingehen und sie können gemeinsam immer weiter verbessert werden. Wenn Du selbst mit gutem Beispiel voran gehst und Dein Material teilst, ist es sehr wahrscheinlich, dass es Dir andere nachmachen. Du hast dann auch Zugriff auf die Materialien von andere.

Du siehst also: Es gibt viele gute Argumente für ein Umdenken hin zu mehr Offenheit in der Bildung. Diese guten Argumente stießen bislang aber häufig an Grenzen, wenn es an die praktische Umsetzung ging. Insbesondere erlaubten die verwendeten Formate häufig keine Weiterbearbeitungen ... Hier kommt nun H5P ins Spiel. Denn H5P ermöglicht es uns technisch, dass Bildungsinhalte völlig ohne Schwierigkeiten weiter verbreitet und angepasst werden können. Wie Du bereits gelernt hast, kann man hierfür zum einen einen Einbettungs-Code zur Verfügung stellen. Zum anderen kann man das Material auch zum Download anbieten. Beides ist als Standard-Option bei H5P eingestellt.

Mithilfe von H5P kann teilen statt verstecken also Realität werden. Das bedeutet eine bessere Bildung für alle. Denn:

"Wissen ist das einzige Gut, das sich vermehrt, wenn man es teilt."

(Marie von Ebner-Eschenbach)

Bevor Du jetzt mit H5P loslegen kannst, fehlt nur noch ein letzter Wissens-Baustein: die rechtlichen Voraussetzungen.



Zusammenfassung

H5P ist eine technische Möglichkeit zur Erstellung von Bildungsmaterialien. Die Analyse und didaktische Konzeption bleibt deshalb auch mit H5P als Herausforderung für Lehrende bestehen. Die umfangreichen Funktionen von H5P bieten ihnen hierzu aber vielfätige methodische Möglichkeiten, um Lernende in ihren Lernprozessen zu stärken. Darüber hinaus kann mit H5P eine offene Bildungspraxis mit Open Educational Respurces (OER) - frei nutzbaren und anpassbaren Bildungsmaterialien - deutlich einfacher als bisher realisiert werden.

4. Was muss ich bei H5P rechtlich beachten?

Im vorangegangen Kapitel habe ich im Interesse einer guten Bildung für alle den Vorschlag gemacht: Material teilen statt verstecken! Und wir haben bereits gelernt, dass H5P von der technischen Seite her optimale Möglichkeiten bietet, um das zu realisieren. Zur Verfügung steht bei erstellten Materialien nicht nur ein Einbettungscode zur Integration in andere Websites, sondern auch ein Download-Button, um die Materialien herunterzuladen und anschließend anpassen bzw. bearbeiten zu können.

Damit diese Möglichkeiten aber genutzt werden können, müssen auch die rechtlichen Voraussetzungen zum Teilen und Anpassen geschaffen werden. Leider ist es in den meisten Fällen nämlich nicht damit getan, Deine H5P-Bildungsmaterialien einfach irgendwo im Internet zu veröffentlichen. Wenn Du nichts anderes dazu schreibst, dann dürfen Deine Materialien in diesem Fall von anderen nicht heruntergeladen, angepasst und dann weiter verbreitet werden. Ebenso ist auch Dir die öffentliche Nachnutzung von Werken, die Du selbst im Internet findest, nicht 'einfach so' erlaubt. Das gilt sowohl für fertige H5P-Materialien, die andere erstellt haben, als auch für Fundstücke aus dem Netz, die Du gerne bei der Erstellung Deiner neu geplanten H5P-Materialien verwenden möchtest - beispielsweise ein Bild zur Illustration einer Drag and Drop Aufgabe.

4.1 Lösung: freie Lizenzen

Die oben dargestellten Grenzen bei der Verbreitung und Nutzung von Materialien ergeben sich durch das geltende Urheberrecht. Denn dieses legt fest, dass die Erschaffer von Werken z.B. also eines Fotos, eines Liedes oder eben auch von Bildungsmaterial alle Rechte daran besitzen. Anders beschrieben: Wer etwas gestaltet, darf allein darüber verfügen. Das passiert automatisch, ohne dass man noch ein Copyright oder etwas anderes dazu schreiben müsste … In vielen Fällen kann einem aber genau diese automatische Begrenzung zu eng sein. Was ist denn, wenn ich gerne möchte, dass mein Bild von vielen Menschen angesehen, meine Musik angehört und eben auch mein Bildungsmaterial von vielen genutzt wird? Oder was ist, wenn ich ein Bild aus dem Internet in mein H5P-Material einfügen möchte bzw. ein fertiges H5P-Material von anderen auch auf meiner Website angepasst zur Verfügung stellen will?

In diesen Fällen heißt die Lösung: Frei veröffentlichen und frei nutzen – mit Creative Commons!

Unter dem Begriff Creative Commons (CC - zu deutsch: schöpferisches Gemeingut oder auch Kreativallmende) werden von der gleichnamigen gemeinnützigen Organisation Lizenzen angeboten, mit denen man anderen Nutzungsrechte an seinen Werken einräumen kann, die nur durch das Urheberrecht ausgeschlossen wären. Wenn ich also möchte, dass bei meinem veröffentlichten H5P-Bildungsmaterial nicht die engen Schranken des Urheberrechts gelten, sondern anderen Nutzungsrechte auch zur Weiterbearbeitung und Anpassung eingeräumt werden, dann ist CC für mich die richtige Lösung! Ebenso kann ich Materialien von anderen dann weiter nutzen, wenn diese unter einer freien Lizenz veröffentlicht sind.

4.2 Frei veröffentlichen: Passende Lizenz wählen

Wenn Du Dich dafür entschieden hast, Dein H5P-Bildungsmaterial unter einer Creative Commons Lizenz zu veröffentlichen, dann ist das nicht kompliziert. Du musst Dich lediglich für eine Lizenz entscheiden und diese dann bei der Veröffentlichung Deines Werkes dazu schreiben.

CC Lizenzen bieten Dir hierzu viele verschiedene Lizenzelemente an:

  • Namensnennung als Pflicht (BY)
  • Nur unter den gleichen Bedingungen teilen (Share Alike – SA)
  • Ausschluss kommerzieller Nutzung (Non Commercial – ND)
  • Keine Veränderungen (No Derivates – ND).

Diese Kürzel werden – je nach gewünschter Weitergabe von Nutzungsrechten - einfach an das CC Kürzel drangesetzt. Die Lizenz CC BY NC SA würde also bedeuten, dass das veröffentlichte Material unter der Bedingung weiterbearbeitet und verbreitet werden darf, dass der Name des Urhebers genannt wird (BY), dass keine kommerzielle Nutzung stattfindet (NC) und dass andere ein eventuell angepasstes/ bearbeitetes Material unter den gleichen Bedingungen teilen (SA).

Welches ist aber denn nun die beste Lizenz? Meine Meinung: Wenn schon frei veröffentlichen, dann richtig. Auch wenn es auf den ersten Blick als gute Idee erscheinen könnte, kommerzielle Nutzung auszuschließen oder nur unter gleichen Bedingungen die Weitergabe zu erlauben, so sind die Grenzen damit doch wieder sehr eng gesteckt. Und die Weiterverbreitung und vor allem Weiterbearbeitung von Materialien ist dann deutlich eingeschränkter. Ich empfehle deshalb bei der Veröffentlichung von H5P-Materialien: CC BY nutzen!

Um es Dir so einfach wie möglich zu machen, die Lizenz zu Deinem Werk dazu zu schreiben, kannst Du Dir diese auf der Creative Commons Website (https://creativecommons.org/choose/?lang=de)) ganz einfach auswählen - und dann anschließend den angezeigten Code kopieren und einfügen.

Im folgenden Beispiel habe ich mich in diesem Formular für die oben empfohlene CC-BY Lizenz entschieden.

Screenshot 1: CC-Lizenz auswählen.

Screenshot 1: CC-Lizenz auswählen.

Wenn Du weiter runterscrollst, erhältst Du die Möglichkeit, Dir den Code für Deine Website zu kopieren. Zusätzlich kannst Du konkrete Angaben zu Deinem Werk machen, z.B. den Titel oder die Art und Weise wie Du als Urheber bei Weiterverbreitung Deines Materials genannt werden möchtest. Ohne weitere Angaben sieht Deine Lizenz im Ergebnis so aus:

Screenshot 2: CC-Lizenz Ergebnis

Screenshot 2: CC-Lizenz Ergebnis

Wenn Du diese Lizenz mit Deinem H5P Material mit veröffentlichst (oder gleich für Deine ganze Website ins Impressum schreibst, dass alle Inhalte unter dieser Lizenz stehen) hast Du einen ersten Beitrag geleistet für eine funktionierende offene Bildungspraxis und eine Bildungskultur des Teilens und der Solidarität. Weil viele andere Menschen sich auch schon für diesen Schritt entschieden haben, kannst Du nicht nur selbst frei veröffentlichen, sondern auch die Materialien anderer nutzen.

4.3 Frei nutzen: Lizenzhinweis angeben

Wenn Du Materialien von anderen weiter nutzen willst, dann müssen diese unter einer freien Lizenz veröffentlicht sein. Es reicht also nicht aus, dass kein Copyright dabei steht. Die grundsätzliche Regel ist vielmehr: Wenn nichts dabei steht, dann darf man das Werk nicht frei nutzen. Wenn eine freie Lizenz dabei steht, dann darf man es unter den in der Lizenz angegeben Bedingungen nutzen und muss dazu dann einen Lizenzhinweis angeben. Dieser Lizenzhinweis muss die folgenden Elemente umfassen:

  • den Namen des Urhebers (und falls vorhanden eine Kontaktangabe für weitergehende Rechte-Anfragen)
  • der Name und der Link zur Lizenz
  • der Name und der Link des Werkes.

 

**Beispiel: **

Wer dieses H5P-Handbuch (es steht unter CC BY SA 4.0 - das war vom Anbieter so vorgegeben) weiter verbreiten möchte, muss dazu schreiben:

Das eBook ‚H5P Handbuch‘ (www.ebildungslabor.de/h5p) von Nele Hirsch steht unter der Lizenz CC BY SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/)

In gleicher Art und Weise würdest Du vorgehen, wenn Du einen von einer anderen Person erstellten H5P-Inhalt herunterlädst und weiter verbreitest bzw. anpasst: Du schreibst dann den jeweils erforderlichen Lizenzhinweis dazu.

Wenn es sich nicht nur um die einfachste Form der CC BY Lizenz handelt, dann musst du zusätzlich die weiteren Bedingungen der Lizenz beachten: Also zum Beispiel keine Veränderungen vornehmen, wenn ein ND (No Derivates) Element in der Lizenz enthalten ist oder - bei einem NC (No Commercial) Element - keine kommerzielle Nutzung vornehmen. Das wäre der Fall, wenn Du das Material im Rahmen eines kostenpflichtigen Kurses nutzt.

Lizenzhinweise sind aber nicht nur wichtig, um fertige H5P-Materialien weiter verbreiten und anpassen zu können, sondern auch bei der Gestaltung der Materialien selbst. Wie wir gesehen haben, bietet H5P dir in so gut wie allen Inhaltstypen die Möglichkeit, Bilder zu integrieren. In den meisten Fällen, wirst Du hier nicht auf eigene Bilder zurückgreifen, sondern auf Fundstücke aus dem Internet.

Bei Bilddatenbanken gibt es hierzu in den meisten Fällen die Möglichkeit, die Suche auf Bilder zu begrenzen, die unter einer freien Lizenz stehen. Beispielsweise kann man bei Flickr unter Lizenz ‚Alle Creative Commons‘ auswählen. Bei der Google-Bildersuche versteckt sich der Suchfilter unter Tools → Nutzungsrechte. Und für alle Inhalte aus der Wikipedia oder von WikimediaCommons kannst Du auf einen automatisierten Lizenzhinweisgeber (http://www.lizenzhinweisgeber.de) zurückgreifen, der Dir nach Eingabe der URL gleich den fertigen Lizenzhinweis zur Verfügung stellt.

H5P bietet Dir in der Eingabemaske eigentlich immer, wenn Du irgendwo ein Bild oder ein Video hochlädst, die Option, eine Referenz dazu zu schreiben. Genau da kommt dann der hier beschriebene Lizenzhinweis hin.

4.4 Sonderfall: Public Domain

In manchen Fällen geht die Nutzung auch noch einfacher: Du kannst Materialien nutzen, die keinen Lizenzhinweis voraussetzen. Man bezeichnet diese als gemeinfreie Werke, als Public Domain oder als CC0 (CC Zero). Die juristischen Unterscheidungen sind für uns nicht weiter relevant. Wichtig ist, dass die Erstellung von Bildungsmaterialien durch solche 'ganz freien', also nicht unter das Urheberrecht fallende bzw. mit vollständiger Verzichtserklärung veröffentlichten Materialien, sehr einfach wird, weil der zum Teil doch störende Lizenzhinweis entfällt.

Wo aber findet man solche Materialien? Gemeinfreie Werke werden zum Teil von Museen bereitgestellt. Vorreiter im deutschsprachigen Raum ist hier das Museum für angewandte Kunst in Hamburg. Daneben gibt es Bilddatenbank, die ohne Lizenzhinweis nutzbare Materialien anbieten. Dazu gehört z.B. http://www.pixabay.com oder - für Ciparts - https://openclipart.org/

Ganz wichtig: Es steht immer dabei, wenn ein Werk gemeinfrei ist. Die Grundregel ist und bleibt: Wenn nichts dabei steht, dann ist das Werk geschützt!

4.5 Einbetten statt Upload

Die bisherigen Erläuterungen beziehen sich auf den Fall, dass ein Inhalt in der Form nachgenutzt wird, dass er irgendwo neu hochgeladen wird. Alternativ - vor allem dann, wenn Du keine Anpassungen vornehmen möchtest  - kannst Du H5P-Inhalte aber auch einfach nur über einen iframe einbinden.

Das Prinzip wird Dir sicherlich von Plattformen wie Youtube bekannt sein: Über den angebotenen Einbettungs-Code erscheint ein bestimmtes Youtube-Video auf Deiner Seite - ohne dass es tatsächlich auf Deiner Seite hochgeladen ist. Nachteilig ist daran, dass das Video auf Deiner Seite plötzlich weg oder verändert sein kann, wenn der Urheber auf Youtube es gelöscht oder geändert hat ...

Weil Du vor diesem Hintergrund über das Material nicht tatsächlich verfügst, greift das Urheberrecht an dieser Stelle nicht. Stattdessen kannst Du auch geschützte Materialien innerhalb eines iframe auf Deiner Website erscheinen lassen - und machst Dich damit keiner Urheberrechtsverletzung schuldig. Voraussetzung ist, dass der Urheber des Wekes das offensichtlich so möchte. Diesen Willen erkennst Du bei Youtube daran, dass es einen Einbettungscode gibt. Bei H5P ist es dann der Fall, wennn die Funktion der Anzeige des Einbettungs-Codes nicht deaktiviert hat. Denn - so hat im Sommer 2015 der Bundesgerichtshof einem Urteil des Europäischen Gerichtshof folgend entschieden: Wenn ein Einbettungscode angeboten wird, dann ist davon auszugehen, dass auch eine Einbettung erfolgen soll.

Wir können also festhalten: Wer etwas mithilfe eines auf einer Plattform oder durch den Anbieter selbst zur Verfügung gestellten Einbettungscodes einbettet, macht sich somit in der Regel auch bei geschützten Materialien keiner Urheberrechtsverletzung schuldig. Bei frei lizenzierten Materialien gilt in diesem Fall: Es ist kein Lizenzhinweis erforderlich.

Für die Bildungsarbeit mit H5P ist diese rechtliche Möglichkeit ein großes Glück. Denn auf diese Weise kannst Du beispielsweise H5P-Materialien aus unterschiedlichen Quellen neu kombiniert auf Deine Website als Bildungsangebot zusammenstellen.  Ebenso können andere Deine H5P-Materialien auf diese Weise nutzen. H5P-Inhalte lassen sich somit sehr einfach und potentiell überall verbreiten.

Diese Möglichkeit stößt aber dann an Grenzen, sobald Du Anpassungen vornehmen willst oder längerfristiger über das Material verfügen willst. Dann muss das gewünschte Material frei lizenziert sein, damit Du es unter Angabe des Lizenzhinweises auf Deine Seite hochladen kannst.



Zusammenfassung

Auch bei der Arbeit mit H5P-Materialien muss das geltende Urheberrecht beachtet werden. Das bedeutet insbesondere dass Materialien - egal ob fertiger Inhalt oder Bestandteil eines Inhalts  - nur dann verwendet werden dürfe, wenn sie frei lizenziert sind. Voraussetzung zur Nutzung ist es dann, einen Lizenzhinweis anzugeben und die weiteren Bedingungen der Lizenz zu beachten. Wenn Du selbst ein Material erstellst, kannst Du anderen eine solche Nachnutzung ermöglichen, wenn Du es mit einer freien Lizenz veröffentlichst. Empfehlenswert ist insbesondere die Lizenz CC BY. Die Notwendigkeit eines Lizenzhinweises entfällt bei entsprechend gekennzeichneten gemeinfreien Werken. Ein Sonderfall ist zudem die Einbettung von Inhalten: Da Du in diesem Fall nicht über das Material verfügst, sondern es nur im Rahmen eines iframes anzeigen lässt, greifen die Bestimmungen des Urheberrechts nicht. Rechtliche Voraussetzung zur Einbettung ist, dass ein Einbttungscode angeboten wird. Bei H5P-Materialien kann das entsprechend eingestellt werden.

5. Wie werde ich Teil der H5P Community?

Du hast schon ganz zu Beginn dieses Handbuchs gelernt: H5P ist Open Source! Das bedeutet nicht nur, dass es für kostenfrei zur Verfügung steht. Vor allem bedeutet es auch, dass wir alle gemeinsam H5P noch besser machen können. Selbst wenn Du kein Informatiker bist und Dich nicht einmal als besonders medienkompetent bezeichnen würdest, kannst Du hierzu viel beitragen:

  • H5P ist nicht fehlerfrei. Das ist kein Makel, sondern unumgänglich wenn sich ein Projekt in einer permanenten Weiterentwicklung befindet. Du kannst H5P besser machen, indem Du Fehler meldest. Nach Registrierung auf der H5P-Website kannst Du hierzu Beiträge im Forum veröffentlichen. Außerdem gibt es auf der Plattform Gitter einen H5P-Community-Chat der für solche Meldungen genutzt werden kann: https://gitter.im/h5p/CommunityChat
  • H5P ist noch viel zu wenig bekannt. Du kannst H5P deshalb besser machen, indem Du andere auf das Projekt hinweist: Beispielsweise indem Du Informationen zu H5P unter anderem in den sozialen Netzwerken teilst, indem Du dieses Handbuch verbreitest und indem Du H5P ganz persönlich und direkt Kolleginnen und Kollegen empfiehlst. Denn je mehr Menschen H5P kennen, desto mehr können H5P auch nutzen.
  • Es gibt – vor allem im deutschsprachigen Raum – noch viel zu wenig H5P-Materialien. H5P-Materialien auszutauschen und anzupassen, funktioniert deshalb bislang nur sehr eingeschränkt. Du kannst H5P somit auch besser machen, indem Du einfach damit beginnst, H5P-Materialien zu erstellen und unter freier Lizenz zu veröffentlichen. Denn dann wird schon bald mehr Austausch und Kooperation möglich sein.
  • H5P hat das Potential für mehr: Du kannst H5P deshalb auch besser machen, indem Du Anregungen zur Weiterentwicklung gibst, die Du im Rahmen Deines Bildungskontexts hilfreich finden würdest. Nach Registrierung auf der H5P Website gibt es dazu das Forum ‚Feature Requests‘ (https://h5p.org/forum/16). Hier kannst Du Deine Anregungen und Vorschläge posten.

Ich wünsche Dir alles Gute und viel Erfolg bei der Nutzung von H5P und freue mich über Feedback und Verbesserungsvorschläge zu diesem Handbuch – gerne per Mail: nele@ebildungslabor.de